Der Bleibergbau zur Zeit der Kelten. Römer Wandalen, Hunnen und Wallonen

Die Geschichte das Mechernicher Bleibergbaus geht wahrscheinlich  bis in die Zeit der Kelten zurück. Außer den Ortsnamen, z.B. Keldenich, sollen noch gelegentliche Funde auf die Bergbautätigkeit der Ureinwohner hindeuten.Außer jedem Zweifel steht, daß die Römer versuchten die Bleivorkommen zu heben. Hierfür gibt es viele Beweise, z.B. gefundene Vasen, Trinkgefäße, Münzen usw.. Außerdem stießen Bergarbeiter auf kunstvoll ausgehauene Strecken, die nur 1,50 n breit und 1,70 in hoch waren! also den Meißel des Römers verraten. Ein anderer Beweis ist, daß der Mörrel des römischen Aquädukts bleihaltigen Sand aufweist. Es soll sogar eine römische Erzaufbereitungsanlage am Kalmutherberg gestanden haben. Die Bleierzgewinnung und -aufbereitung der Römer soll in die Zeit Trajans, Anfang des 2. Jahrhunderts, zurück geführt werden. Das Zentrum soll der Tanzberg bei Keldenich gewesen sein, wo zu Tage tretendes Wackendeckelerz war. Das Erz hatte in Gegensatz zum Knottenerz eine leichtere Aufbereitung, war aber weniger ergiebig.

Im 5. Jahrhundert durchstreiften die Wandalen und Hunnen zerstörend die Gegend. Der Bleibergbau wurde wahrscheinlich erst wieder im 9. und 10. Jahrhundert durch die Wallonen eröffnet. Man stützt sich darauf, daß heute noch viele Orts und Familiennamen auf die wallonischen Wörter buir (Wohnung) und puitz (Brunnen), wie z.B. Bleibuir und Wilspuitz, enden. In dieser Zeit soll auch zum erstenmal an eigentlichen Bleiberg, im Tagebau gearbeitet worden sein.

 

Der Bleibergbau zur Zeit des Eigenlöhnerbetriebes im Mittelalter

Der mittelalterliche Bergbau ist durch den Eigenlöhnerbetrieb gekennzeichnet. Die Arbeitsmethoden waren, da es ein kleiner Betrieb war, sehr primitiv. Von Produktionsvorschriften, Absatzregelung und Konkurrenzbeeinflußung war bis ins 16. Jahrhundert nichts bekannt.

Nun etwas über die Besitzverhältnisse dieser Zelt. Keldenich, Dottel und Kall gehörten zum Herzogtum Jülich, aber ein Teil auch zu Churköln. Die Lehen der Herren von Arenberg, von Churköln und die Baronie Kommern, waren das Hauptgebiet des Bergbaus. Zur Baronie Kommern gehörten Kommern, Gehn, Weingarten, Katzvey, Roggendorf und Strempt. Den Dynasten der Reichsfreiherrlichkeit, die Herren von Blankenheim und Nesselrode-Reichenstein, gehörten die östlichen Teile nördlich von Mechernich. Im wesentlichen blieben die Besitzverhältnisse bis 1793. Danach wurden sie meistens an Private verkauft. Mindestens vom 12. Jahrhundert an läßt sich die Bergfreiheit, die das Mittelalter im allgemeinen kennt nachweisen. Sie besagt, daß jeder das Recht zum Bergbau hat, ohne die Prinzipienfrage, ob es sich um Eigentum oder Nutzungsrecht handelt, zu klären. Es durfte also jeder auf seinen gepachteten Land Erze heben, unter der Voraussetzung, daß er Abgaben an den Landesherren machte. 1240 gelangten die einst Hengebachischen Lehen an den Grafen von Jülich. Zu diesen Lehen gehörte auch das Gebiet des Bleibergs bei Kall, wo das Erzgraben, gegen Abgabe eines Zehnten, d.h. des zehnten Teiles, schon seit dem 13.Jahrhundert dem freien Betriebe überlassen war.
1394 wurde der Tanzberg als bergmännisch ausbeutungsfähiges Land zum erstenmal urkundlich erwähnt. Zwischen 1470 und 1530 wurde die nordwestliche Fläche des Bleibergs in Ausbeute genommen. 1481 erschien ein berggerichtliches Urteil für Wall und Gressenich. Das war ein Beweis von der damaligen Bedeutung des Betriebes. Der Anfang des Bergbaus im Knottenflöz wird in das Ende des 16. Jahrhunderts verlegt, man weiß es aber nicht ganz genau. Es fing bestimmt nicht vor dem 15. Jahrhundert an, da damals erst das Naßpochen erfunden wurde, daß genauso wie der Beutelkorb, der in dieser Zeit auch erfunden wurde, ein nicht wegzudenkendes Aufbereitungsmittel für die Knottenerzverwertung war. Dies förderte natürlich, genauso wie das Berggesetz von 1578 den Bergbau.

 

Bleibergbau zur Zeit des Merkantilismus und die Entwicklung zum kapitalistischen Betrieb

Der 30-jährige Krieg wütete durch Deutschland und ging nicht an den geschäftlichen Leben in Mechernich vorbei. Die Landesherren mußten großen Firmen den Bergbau genehmigen, also mußte die Bergfreiheit aufgehoben werden. Dies war der wichtigste Schritt zur Begünstigung und Förderung des Kapitalismus und zur Zurückdrängung des mittelalterlichen Kleinbetriebes. 1629 bekamen die drei Kaufleute Brüggen, Rath und Meinertzhagen die Genehmigung (Konzession) für ein unvermessenes Feld, auf dem sie einen Versuchsstollen gegen Abgabe eines Zehnten betreiben durften. Es begann ein dramatischer Kampf zwischen den Konzessionierten und den Eigenlöhnern. Die Eigenlöhner ließen sich nur aus ihren Berechtigungen einen Stollen zu betreiben vertreiben, weil es eine allgemeine Geschäftslähmung in der Zeit des 30-jährigen Krieges gab. Erst 1655 erwachte die Zähigkeit der Anwohner wieder, aber ihr Vorgehen war zumeist erfolglos. Sie erhielten zwar 1661 eine Scheinfreiheit, diese aber bedeutetet, daß die Meinertzhagener das Recht hatten, alle Gruben zu befahren oder zu besichtigen. Kein Bergarbeiter konnte, ohne daß er seine Belehnung verlor und ausgewiesen wurde, der Gesellschaft einen Schaden zufügen.

Nachdem der 1629 begonnene Stollen fast ausgebeutet war, wurde der Gesellschaft 1690 der Bau eines zweiten Stollen genehmigt, der 1759, als Elisabethstollen, der Hauptstollen wurde. Der Stollenbau zog Arbeiter aus der Ferne zum Bergbau heran. Aber ab 1756 sollten bzw. durften keine fremden Bergarbeiter mehr angeschrieben werden. Die schwachen Gesellschafter traten aus der Gesellschaft aus oder wurden aufgekauft, daß die Familie Meinertzhagen alleinige Besitzer des Bergwerks wurde. 1784 ging der Besitz des Abraham von Meinertzhagen durch die Heirat seiner Tochter nach seinem Tode an den Reichsgrafen Friedrich Wilhelm von Lippe-Biesterfeld über.

Der Bleibergbau zur Zeit der französischen Besetzung

In der Zeit der französischen Besetzung erhielt der Bergbau einen schwungvollen Aufstieg. Die französischen Gerichte hatten Ordnung in die Besitzverhältnisse und Konzessionsverhältnisse gebracht, daß eine Grundlage für einen ungestörten Abbau geschaffen wurde. Die Arbeiterzahl stieg um das fünffache, von 400 auf 2000, die Preise um das dreifache, aber diese fielen rapide nach der Niederlage Napoleons. 1820 arbeiteten nur noch 6oo Menschen am Bleiberg, aber der Mechernicher Bleibergbau hatte in Deutschland ja keine Konkurrenz zu fürchten, da er das reinste Blei in Deutschland hatte und zeitweise als Bedeutsamster Bleibergbau der Welt galt, er konnte also nicht bankrott gehen. 1840 eröffnete Schunk-Olligschläger das erste deutsche Dampfpochwerk. Dieses Werk hatte die vierfache Kapazität, aber der Bedarf an Blei war trotzdem so groß, daß sie nicht voll nachkommen konnten und viele Arbeitskräfte eingestellt werden mußten. Der Bleibergbau war damals noch stark beeinflußt durch den Wettbewerb verschiedener Konzessionen, aber daß sollte sich bald ändern.

Der Bleibergbau unter der Leitung des Mechernicher Aktienvereins

1832 war die Konzession Günnersdorf, die Felder am Griesberg in einer Linie von Burgfey über Mechernich, an die Firma Pirath und Jung übergegangen. 1845 hatten sie bereits sechs Sechzehntel der Konzession Günnersdorf Die Gebrüder Kreuser eigneten sich durch zahlreiche Käufe und Tauschverträge viele Polder an und wurden zur größten Firma. Unter ihnen wurde 1853 der Tagebau im Ostfeld eröffnet. 1854 kam die erste Dampfmaschine an den Bleiberg. Schon 1856 arbeiteten dort 4 Dampfmaschinen. 1857 wurden die Felder Meinertzhagen, Kalmuther Berg, Mechernicher Berg und Sittart zu einem Feld von 13.742 Morgen vereinigt. Es erstreckte sich zwischen den Ortschaften Dottel. Strempt, Hostel, Eicks, Gehn, Firmenich, Satzvey, Rißdorf, Breitenbenden, Bergheim und Kalmuth gelegene Gegend. 1858 wurde der zweite Tagebau eröffnet. Zu dieser Zeit arbeiteten 12 Dampfmaschinen auf dem Feld Meinertzhagen und 22 Pochwerke, von denen nur eins mit Dampf betrieben wurde, die anderen mit Wasserkraft. 1859 gründeten die Gebrüder Kreuser den Mechernicher Bergwerksaktienverein (M. B. A. V.) mit einem Grundkapital von 3.200.000 Talern in 3.200 Aktien zu 1.000 Talern. In diesem Jahr erwarben sie auch den größten Teil der Konzession Schunk-Olligschläger, die Felder von der Grenze der einstigen Freiherrschaft Mechernich bis Kahlenberg umfaßte, um die Verbindung mit ihren Feldern Kalmutherberg zu erleichtern.

Die anderen westlich gelegenen Felder wurden an die vereinigten Konzessionen Gute Hoffnung und Neue Hoffnung, westlich von Kahlenberg und Dottel, die der französischen Firma Cazalis & Cie (später Fournier, de Reiset et Cie, noch später Mines l' Eifel V. Fournier) gehörten, gegliedert. 1860 wurde eine Hütte in Betrieb genommen, die drei Abteilungen hatte. Die Röstofen -, die Hochofen- und die Entsilberungsanlage und Raffinationsanlage. Da bei der Hochofenverarbeitung dem Blei Kalk zugesetzt werden mußte, baute die M.B.A.V. eine Drahtseilbahn von den Kalkbrüchen bei Eiserfey, an Vollem und Bergheim vorbei, zur Hütte. Die Gasabfuhr dieser Abteilung erfolgte durch einen 134 m hohen Schlot, welcher der größte feststehende Schlot von Europa war, den Langen Emil. Der M.B.A.V. stand immer im Vordergrund und sogar ein großer Brand im Jahre 1872 konnte die Förderung und Produktion nur vorübergehend stören. In demselben Jahr wurde zu der Leitung von Pirath und Jung der Kommerner Bergwerks- und Hüttenaktienverein (K.B.u.H.A.V.) gegründet. Der Bergbau befand sich nun in den Händen drei kapitalkräftigen Gesellschaften, dem K.B.u.H.A.V., dem M.B.A.V. und Neu-Schunk-Olligschläger, wie die Besitzeinheit der Firma Cazalis & Cie hieß. 1892 stellte Neu-Schunk-Olligschläger den Betrieb ein. Vier Jahre später, 1896, kaufte der K.B.A.V. die noch nicht ausgebeuteten Felder. 1900 ging der K.B.u.H.A.V in den M.B.A.V. über und dieser wurde so Alleinherrscher im Bleigebiet. Am 3o. Mai 1908 kam die Nachricht, daß die Gesellschaft ihre Auflösung beschlossen habe, da es einen starken Produktionsrückgang gab. Es kam zunächst nur zur Liquidation, aber nicht zur Betriebseinstellung, da noch wichtige Aufträge liefen. Für die Dauer der Liquidation, bis spätestens März 1911, verpflichtete sich der M.B.A.V jährlich an die Gemeinden Mechernich, Roggendorf und Strempt einen Betrag von je 21.000 Mark zu zahlen.

Der Bleibergbau von der Zeit der beiden Weltkriege bis zur Stillegung

Über diese Zeit kann ich leider nicht sehr viel berichten, da mir dazu das Material fehlt. Das Nachstehende habe ich nur aus zwei Zeitungsartikeln und aus einem in mündlichen Bericht eines Bekannten, der sehr viel über den Bleibergbau von Mechernich gesammelt hat, aber über diese Zeit selber auch so gut wie nichts hat, sondern nur darüber gelesen hat. Nach dem M-B.A.V. bildete sich die Gewerkschaft Mechernicher Werke (G.M.W.). nach dem 1. Weltkrieg war ein halber Untergang des Werkes. Der Wiederbeginn war durch die Besetzung geschwächt. Durch die "Regiebahn" d h. es durften nur Züge fahren denen es die Besatzungsmächte erlaubten, sie fuhren zu dieser Zeit also unter der Regie der Besatzungsmächte, war der Transport, besonders ins Ausland schlecht, da die Deutschen boykottierten. Es gab wie überall in Deutschland auch in Mechernich nach dem 1. Weltkrieg viele Arbeitslose. Der .Betrieb des Werkes glitt so dahin. 1937 übernahm die Preussag auf Drängen des Staates, die Preussag war und ist noch immer ein staatliches Unternehmen, die G.MW.. Nach den 2. Weltkrieg waren die Stollen teilweise "abgesoffen". Der Wiederaufbau begann nur langsam. Der Mechernicher Bleibergbau schenkte dem Staat in einer Zeit, wo der deutschen Wirtschaft noch keine Devisen zustanden und das Ausland kein Blei lieferte 100.000 t. Blei. Aus dem Marshallplan wurden 40 Millionen in Mechernich investiert. 1949 war die G.M.W. zeitweise nicht im Stande, die Löhne und Gehälter für 1.125 Arbeiter und Angestellte zu zahlen. Im März 1951 war ein Erdbeben mit verheerenden Auswirkungen auf den Mechernicher Bergbau. Am 16. August desselben Jahres folgte ein Schlammeinbruch. Außer der Unterbrechung der Arbeit waren auch noch Schäden in Millionenhöhe bei den beiden Katastrophen verzeichnet worden. Und trotzdem stieg ihre Produktion von 500 t. auf das Dreifache. 1952 war Mechernich mit 17% an der Bleierzeugung des Bundesgebietes beteiligt, im Jahre 1954 mit 21%. Die Aufbereitung war die größte und modernste NE-Metallaufbereitung in europäischen Raum. (NE Nichteisen) . Am 21. Oktober 1957 ermächtigte der Aufsichtsrat der Preussag den Vorstand der G.M.W. Maßnahmen zur Stillegung des Mechernicher Bleibergbaus einzuleiten, da die Abbaubedingungen ungünstig waren, und das Bundeswirtschaftsministerium bei der damaligen Lage des Weltmarktes eine Aufrechterhaltung des Betriebes im Interesse der deutschen Versorgung mit Blei nicht mehr für erforderlich hielt, und die Preussag nicht in der Lage war, die hohen Verluste zu tragen. Am 31.Dezember 1957 wurde das Werk stillgelegt. Am 28.Oktaber 1961 wurde der 134 m Hohe Schlot, der 186o erbaut wurde, der lange Emil nach mehreren Versuchen gesprengt.

Als Ersatzindustrie für das Bleibergwerk. war ein Flugzeugausbesserungswerk der Bundeswehr vorgesehen, das heute das Lurfwaffenversorgungsregiment 8 ist. Außerdem hat sich die Preussag dafür eingesetzt, das ein Atomreaktor im damaligen Kreise Schleiden bzw. bei Mechernich gebaut werden sollte, da bei dessen Bau viele frühere Angehörige der G.M.W. Arbeit finden sollten. Dieser wurde aber nicht in Mechernich gebaut, sondern in Jülich. (Gott-sei-Dank!!)